Jossi Avni-Levy
Der Garten der toten Bäume

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(OT: Gan ha-esîm ham-metîm (He))


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Jossi Avni-Levy: Garten der toten BäumeMännerschwarm 1995 | Taschenbuch | 200 Seiten
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Inhaltsangabe zu Der Garten der toten Bäume von Jossi Avni-Levy:

Zunächst der „entschwulte“ Text für den Normalo-Buchhandel:

„Der Garten der toten Bäume“ ist ein Paradebeispiel. Dafür, was die besondere Perspektive des Außenseiters leisten kann. Auf hohem sprachlichen Niveau vermittelt Avni dem Leser ein Gefühl für den Alltag … in Israel. Vor diesem Hintergrund entfalten melancholische Liebesgeschichten und Kindheitserinnerungen ihren Reiz. Avni erzählt von der Normalität in Familie, Nachbarschaft, Beruf und Beziehungen. Klammernde Mütter, Lebenslügen und überraschende Begegnungen entfalten ihr eigenes, unverwechselbares Geflecht. Die Episode „Schnecken im Regen“ wurde im Jahr 2013 verfilmt. Sie kommt unter dem Titel „Liebesbriefe eines Unbekannten“ in die Kinos.

Und so beschreiben es die „Eisenherzen“:

Der Roman „Der Garten der toten Bäume“ … erzählt vom schwierigen Leben eines schwulen Mannes in seiner israelischen Heimat. Und von seinen Fluchtversuchen vor der überprotektiven Mutter nach Deutschland. Aber ob nun Berlin One-night-Stands oder München eine glückliche Liebesbeziehung bieten: Der Erzähler muss irgendwann zurück nach Hause. In ein Land der schönen Männer. In dem es zwar schwulen Sex, aber niemals schwule Liebe zu geben scheint. Zu stark sind (waren?) die traditionellen, religiösen, familiären Zwänge. So verschwinden die Freunde und Sexpartner immer wieder im Kibbuz, in der Kaserne, im Büro oder fliehen in eine Ehe. Letztlich bleibt nur der gelegentliche Sex im Garten der toten Bäume. Und die Erinnerung an Deutschland: „Dieses Land ist schön, und es lässt mir keine Ruhe.“
(Empfehlung der „Eisenherzen“ 6/14 und der „Löwenherzen“ 10/14)


Gerd zu Der Garten der toten Bäume von Jossi Avni-Levy:

Ich finde es sehr schwierig, über diesen „Roman“ als Ganzes zu schreiben. Habe ich überhaupt einen Roman gelesen? In gewisser Weise ja. Betrachte ich die einzelnen Episoden in ihrer Gesamtheit, dann entsteht tatsächlich ein Bild, ein Charakter, eine Figur mit großer Komplexität. Ich habe einen Mann kennengelernt. Und er ist mir auch ein wenig ans Herz gewachsen. Mit seinen Kindheitserinnerungen, die deutlich machen, wo er herkommt und warum er so ist wie er ist. Mit seinen Erfahrungen in der schwulen Szene Berlins, Münchens und Israels, die er auch an anderen Orten hätte machen können. Eben weil er so ist wie er ist. Und doch durchzieht diesen Roman nicht unbedingt so etwas wie ein Handlungsstrang. Die Einzelepisoden fallen irgendwie auseinander, ergeben nicht mit Notwendigkeit ein Ganzes.
Es gibt bessere und weniger gute Episoden. Immer sind sie Ergebnis einer intensiven sprachlichen Auseinandersetzung mit dem Text. Immer sind sie daher gut zu lesen und nie langweilig.

Eine klare Lese-Empfehlung für „Der Garten der toten Bäume“

Aber dann las ich die letzte Episode „Schnecken im Regen“ und war gefesselt. Was Avni hier schafft, zeugt für mich von großer Meisterschaft. In einer Art „Doppel-Novelle“ beschreibt er das gleiche Geschehen jeweils aus der Sicht eines der beiden Protagonisten. Zunächst sehr geheimnisvoll und verwirrend aus der Sicht eines jungen Mannes. Reagiert er zunächst empört auf die anonymen Annäherungsversuche eines Mannes, reizt in bald jedoch das Gefühl, begehrt zu werden. Letzten Endes jedoch ist er nicht bereit zum Aufbruch zu neuen Ufern. Wunderbar vermittelt Avni die Neugier, das Zögern, die Verwirrtheit des jungen Mannes und seine Befangenheit in der Tradition.
Schließlich werden die Geschehnisse aus der Sicht eines Mannes im mittleren Alter geschildert, der sich in den besagten jungen Mann verliebt hat. Hier steht die Angst im Vordergrund: entdeckt, zurückgewiesen, lächerlich gemacht, kompromittiert zu werden. Das Geheimnis um den Briefeschreiber ist für den Leser gelüftet. Und doch nimmt auch dieser zweite Teil gefangen. Wieder gelingt es Avni, mich die Gefühle des Liebhabers nachvollziehen zu lassen. Und er bekommt zum Ende sogar noch eine Wendung hin, die ich so nicht erwartet hatte. Keiner der beiden Männer enttäuscht den anderen, denn keiner der beiden erfährt davon, wie sich der andere entschieden hat.
Eine klare Lese-Empfehlung! Und den Film werde ich mir auch ansehen und mit meinem Kopf-Kino beim Lesen des Buches vergleichen.


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