Peter Nathschläger „Fluchtgemälde“

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Peter Nathschläger "Fluchtgemälde"Himmelstürmer 2014 | Taschenbuch
380 Seiten | 16,90 €
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Klappentext:
Alejo Paramó, ein schwuler kubanischer Teenager, lernt beim alten, ebenso weisen wie trinkfesten, Schamanen Christiano, wie man Bilder malt, in die man migrieren kann. Er notiert in einem ledergebundenen Notizbuch alle Rituale und formellen Bedienungen. Nach seinem vermeintlichen Tod gelangt das Buch in die Hände eines in Paris lebenden iranischen Antiquars, der es übersetzt und eine Version seinem schwulen Neffen Ayaz gibt, um ihn zum Malen zu ermutigen.
Der talentierte iranische Junge beginnt zu malen. Dies eröffnet ihm und seinem Geliebten Mahmoud, eine Chance zur Flucht aus ihrem bedrohlichen Umfeld, löst aber eine weltweite Katastrophe aus, als immer mehr Menschen in den Besitz der Notizen kommen, sich ihre Fluchtwelten ermalen und die Realität um ihr Leben und Wirken betrügen.
Als der Antiquar begreift, dass die gesellschaftlichen Unruhen auf der ganzen Welt im direkten Zusammenhang mit den Erkenntnissen in Alejos Notizbuch stehen, macht er sich mit seinem Geliebten, dem französischen Studenten Rafael Kaminer, auf den Weg, Alejo Paramó zu finden, der vielleicht gar nicht tot ist, sondern einfach nur anderswo …
(Bestsellerliste der Schwulen Buchläden 5/2014)


Gerds Meinung
Ach, B.! Warum nur liest Du keine Phantasie-Romane? Diesen hier würde ich Dir empfehlen.
Nathschläger entwickelt eine Geschichte, die wirklich sehr phantastisch ist. Es passieren Dinge, die es so in der Realität nicht gibt. Dazwischen aber schildert er genau die Wirklichkeit, in der schwule Männer in weiten Teilen der Welt leider immer noch leben müssen – voll mit Angst, Verfolgung, Misshandlung. Das phantastische „Fluchtmalen“ hat für mich die Funktion, den Protagonisten (und uns Lesern) in ausweglosen Situationen dann doch immer noch einen Ausweg, eine letzte Hoffnung offen zu lassen: Es gibt ja den einen, den zwar unwahrscheinlichen, dem Reich der Phantasie entstammenden, aber eben doch zumindest in diesem Buch gangbaren Ausweg.
Ansonsten ist das Buch streckenweise regelrecht gnadenlos. Nathschläger schenkt uns nichts, wenn er Schwulenverfolgung unter verschiedensten gesellschaftlichen Bedingungen schildert. Und ob nun ein korrupter kubanischer Beamter oder ein ideologisch aufgeheiztes Mullah-Regime den Schwulen tötet – ein Verbrechen ist es allemal.
Mir gefällt die Idee, dass sich Menschen in allerletzter Minute einfach aus der Realität stehlen und in ein schönes, erträumtes Leben flüchten können. Und mir gefällt auch die Idee, dass diese Menschen am Ende in der Gesamtsumme alles Guten auf Erden fehlen und dass dieses Vakuum wegen des Fehlens an Gutem nur mit Bösem gefüllt werden kann.
Starker Tobak das Buch – und lesenswert.



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