Matthias Frings „Manchmal ist das Leben“

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Querverlag 2014 | Taschenbuch
287 Seiten | 14,90 €
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Klappentext
Berlin 1995. Als Christo den Reichstag verhüllt, scheint die ganze Stadt den Atem anzuhalten. Wie ein silbernes Raumschiff schwebt das Parlamentsgebäude über der jungen Republik und kündet von Veränderungen, ein Innehalten zwischen Gestern und Morgen. Auch die Hauptfiguren dieses Romans stehen vor einem Umbruch. Im Zentrum: Hahn und Fex, zwei alte Schulfreunde, deren Freundschaft auf eine tödliche Probe gestellt wird. Während ihres Kampfes mit- und umeinander wird die Stadt eine andere: Eine Sexparty-Veranstalterin beginnt an der endlosen Lust als Lebensgefühl zu zweifeln, ein Bankrotteur will auf die Gewinnerseite, eine junge Raverin ist abgestoßen vom beginnenden Berlin-Hype, und eine Bundestagsabgeordnete wartet auf das Ergebnis einer lebensentscheidenden Diagnose. Ein Schwellenroman, eine vielstimmige Geschichte über Freundschaft, die Liebe und den Tod.
(Empfehlung von „Blu“ 4/2014 & 5/2014 und „Männer“ 9/2014)


Bens Meinung
Berlin 1995 ist eine Stadt voller dramatischer Umbrüche und Veränderungen. Im Leben der verschiedenen Protagonisten brechen genauso plötzlich Konflikte auf oder verlieren Konstanten ihre beruhigende Kraft. Zwei Männer stehen im Mittelpunkt des Romans, dessen Figuren ansonsten eher locker miteinander verbunden sind, ja manchmal sogar so lose, dass sich die Frage stellt, weshalb sie überhaupt auftauchen. Wolle z.B., dessen Geschichte als Hartz-IV-Empfänger zwar subtil beobachtet ist, letztlich aber nichts zur Handlung des Romans beiträgt. Hier hätte ein wenig mehr Lektorat dem Buch sehr gut getan. Die Verhüllung des Reichstags und die Geschichte eines der Höhenarbeiter, der mit Kollegen die gigantische Stoffhülle am Gebäude befestigt, trägt als Metapher für das Zeitgefühl der Mittneunziger Jahre hervorragend. Auch die Betreiberin eines Sex-Clubs, eine junge Raverin und eine Abgeordnete tragen mit ihren Biographien dazu bei, ein Zeit- und Lebensgefühl zu beschreiben, das sich immer wieder an den scharfen Kanten des Ost-West-Konflikts bricht.
Zwei Männer, deren Freundschaft seid Jugendtagen eine feste Größe in beider Leben darstellt, sind die Hauptfiguren des distanziert beobachtenden Romans: Hahn, hetero und eher unsteter Frauenheld, und Fex, schwuler Lebenskünstler, der alle paar Jahre den Beruf wechselt und sich auf niemanden so richtig fest einlässt. Als Hahn völlig überraschend HIV-positiv diagnostiziert wird, ist er sich schnell sicher: der einmalige Geburtstagsfick zu Fex 30stem ist die Quelle seiner Infektion! Die Schuldfrage wird zu einer Belastung, der die Freundschaft letztlich nicht standhält. Hahn muss sein Leben völlig neu ordnen – dass das auch für Fex zutrifft (der ebenfalls ein positives Testergebnis verkraften muss), gerät fast etwas in den Hintergrund. Über eine Sache wundere ich mich aber: weshalb ist für alle Personen des Romans so sonnenklar, dass der heterosexuelle Hahn vom schwulen Fex infiziert wurde? Nicht einer kommt auf die Idee, dass es ja auch hätte umgekehrt sein können. Auch der Autor nicht? Das ist schwer vorstellbar, aber so wichtig, wie die Klärung der Schuldfrage ist, hätten hier ein paar Wendungen und Alternativen der Handlung nicht geschadet. Dass der Roman halbwegs versöhnlich ausgeht, dass beide Männer ihr Leben, weiterleben können, auch dank der damals neu gefundenen Therapiemöglichkeiten, ist stimmig. Die Charaktere sind psychologisch überzeugend gestaltet, die Handlung ist spannend, literarisch ist der Stoff interessant und überzeugend verarbeitet.



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