Jonathan Kemp „Londoner Triptychon“


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Author’s Club First Novel Award 2011
 
Männerschwarm 2014 | Gebundenes Buch
229 Seiten | 19,00 €
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Dieses Buch gibt es für 12,99 € auch als eBook.
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Klappentext:
London verspricht Freiheit und Vielfalt wie nur wenige andere Städte der Welt. Jonathan Kemp erzählt, wie drei Männer zu verschiedenen Zeiten versuchen, dieses Freiheitsversprechen einzulösen: Jack Rose im Jahr 1894, Colin Read im Jahr 1954, und ein anonymer David 1998. Die Stadt bietet jedem von ihnen einen überwältigenden Lebensraum, und doch scheitern sie am Ende an sich selbst, oder besser gesagt: an der Liebe. Denn die Liebe war in ihrem Leben nicht vorgesehen.
Jack Rose ist ein „Pupenjunge“, eine kleine Tunte, die in einem Jungenbordell den Gentlemen der besseren Gesellschaft zu Diensten ist. Dort verkehren auch Lord Alfred Douglas und Oscar Wilde, und zwischen Wilde und Jack entwickelt sich so etwas wie Freundschaft. Jack erlebt zum ersten Mal, was er nie für möglich gehalten hätte: er ist eifersüchtig auf die anderen Jungs, mit denen sich sein Freier vergnügt, und das wird für Wilde zum Verhängnis.
Hundert Jahre später kommt David als „Flüchtling“ aus der Provinz in ein London, das nicht mehr als Zentrum eines Weltreichs, sondern durch ein überwältigendes Nachtleben der Parties, Klubs und Drogen glänzt. Auf der Suche nach sich selbst will er vor allem eins: die Langeweile der Normalität überwinden und jemand ganz anderes werden. Als Stricher und Darsteller von Pornofilmen gelingt ihm das eine Zeitlang recht gut.
Zwischen diesen beiden lebt Colin Read zu einer Zeit, als Presse und Polizei ihre Hexenjagd auf Schwule zu wahren Exzessen steigern; fast jede Woche berichten die Zeitungen von neuen Verhaftungen. Er lernt früh, keine eigenen Wünsche jenseits konformer Wohlanständigkeit zuzulassen. Nach dem Tod seiner Eltern leistet er sich die kleine Extravaganz, einen jungen Mann als Model in seinem privaten Atelier zu beschäftigen. Diese Konfrontation mit einem Menschen, der in allem sein genaues Gegenteil ist, bringt seine Lebenslüge zum Einsturz.
Jonathan Kemp verschränkt diese drei Lebensgeschichten zu einem großen Epos auf das Leben und die Liebe im Sinne des als Motto vorangestellten Wilde-Zitats: Der Mensch erlebt seinen erhabensten Moment, wenn er im Staub kniet, sich an die Brust klopft und die Sünden seines Lebens erzählt. Sein Roman wurde 2011 vom Londoner Author’s Club mit dem First Novel Award ausgezeichnet.
(Empfehlung: „Blu“ 10/14 | „Eisenherz“ 12/14 & 03/15 | „Männer“ 01/15 | „Löwenherz“ 01/15, 04/15 & 09/15)

Gerds Meinung:
Eigentlich habe ich hier gleich drei Geschichten gelesen, die jeweils im Abstand von einigen Jahrzehnten spielen und nur sehr lose miteinander verbunden sind. Verbunden zum einen durch das Sujet – in allen dreien geht es um Stricher, ihren Beruf und ihr Verhältnis zu ihren Kunden und Kollegen -, zum anderen dadurch, dass dem Protagonisten aus der einen eine kleine Rolle in der nächsten Story zufällt.
Die drei Prostituierten haben ihren Beruf recht bewusst selbst gewählt, sie gehen ihrem Beruf selbstbestimmt und gerne nach, was vielleicht nicht auf die Mehrzahl der Sexarbeiter zutrifft. Alle drei scheitern letztendlich, weil ihnen in irgend einer Form die Liebe ins Gehege kommt: der eine verliebt sich in seinen Kunden Oscar Wilde (was natürlich das fatale Ende der Geschicht schon historisch vorgibt), der zweite wird geliebt und kommt darüber nicht hinweg, der dritte liebt einen Kollegen, der seine Liebe nicht erwiedert.
Das ganze ist gut geschrieben, toll übersetzt und ebenso zu lesen. Es unterhält. Die Konstruktion des Buches, in der sich die Episoden der Einzelgeschichten jeweils abwechseln, hat mir gefallen. Der Roman wird dadurch kurzweiliger, bekommt eine gewisse Komplexität.
Ja, und die Geschichte hat einen Schuss Erotik, was ja zu erwarten war. Und das ist auch das Problem an diesem Buch. Es ist vorhersehbar, weil es eben so ist, wie man einen Stricherroman erwarten würde. Es zeigt, wie man in den jeweiligen Gesellschaften mit Homosexuellen umgeht, aber nicht, welche Besonderheiten das Anschaffen mit sich bringt. Wer eine neue oder provokante Sicht auf diesen Teil der schwulen Kultur erwartet, wird enttäuscht. Wer das Milieu mag, die Halbweltatmosphäre anregend findet, der wird mit diesem Buch seinen Spaß haben.


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