Herman Bang “Michael”

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Buch des Monats Mai 2014
 
Herman Bang “Michael”Männerschwarm 2012 | gebundenes Buch
306 Seiten | 20,00 €
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Klappentext
Der berühmte Maler Claude Zoret hat den siebzehnjährigen Michael als Schüler bei sich aufgenommen und malt ihn wieder und wieder in klassischen Posen, als Eros, Alkibiades oder Michaelangelos Der Sieger . Für Zoret bricht die Welt zusammen, als Michael sich im Alter von zweiundzwanzig Jahren in die Fürstin Zamikoff verliebt und seinen Meister verlässt. Zoret malt ein letztes Meisterwerk: sein Hiob macht ihn in den Augen des Publikums zum Maler der Schmerzen. Wie auch in Wildes Bildnis des Dorian Gray enthüllen erst die Gemälde eine Wahrheit, die im Leben nicht ausgesprochen werden darf.


Literatuntenmeinung
Am 28. Mai 2014 trafen sich die Literatunten, um über Herman Bangs Roman „Michael“ zu diskutieren.
Schnell waren sich die Anwesenden einig, dass die literarische Qualität des Werkes eher zweifelhaft ist. Es erschien uns zu schwülstig. Jeder Satz hat eine pathetische Bedeutung und so wirkt es trotz der vielen Dialoge sehr stummfilmhaft. Aus schwuler, literaturhistorischer Sicht dagegen bietet es interessante Aspekte, die für eine Leseempfehlung aus unserer Sicht jedoch nicht ausreichen.
Hauptsächlich drehte sich die Diskussion um die Frage, ob das Buch überhaupt zur „Schwulen Literatur“ zu zählen sei. Wenn man die biografischen Bezüge zu seinem Autor nicht kennt, kann man den Roman auch völlig arglos als Lehrer-Schüler- oder (Zieh-)Vater-(Zieh-)Sohn-Beziehung lesen. Am ehesten liefert die Spiegelung des Verhältnisses Meister – Michael in der Liebesbeziehung Herr von Monthieux – Frau Adelskjold einen Hinweis, wie das Buch zu lesen ist. Sollte Bang weitere, damals vielleicht zumindest in schwulen Kreisen verständliche Chiffren verwendet haben, können wir sie heute nicht mehr verstehen,
Erst mit dem Wissen um Bangs Biografie und seine ähnlich verlaufende Beziehung zu einem in Prag (!) kennengelernten Schauspielschüler lässt keinen Zweifel mehr an der Art des Meister-Michael-Verhältnisses. Im wahren Leben war Bang wesentlich weniger diskret im Umgang mit seiner Homosexualität als in seinen Romanen und Erzählungen.


Kritikermeinungen
Thomas Mann
hielt diesen Roman für den „traurigste[n] Liebesroman aller Zeiten“.
Gustav Seibt (SZ)
nennt Bang einen Meister der „Nervenkunst“, bei der Psychologie mit Naturschilderung und Gesellschaftsdiagnose zu einem impressionistischen Gesamtwerk verschmolzen werden.


Michael” wurde zweimal verfilmt:
 
als „Ikarus (Vingarne)
S 1916 | Regie: M. Stiller
69 Min.
Film zurzeit bei unseren online-Partnern nicht lieferbar

 
 
 
 
 
 
als „Mikael (Michael)
D 1924 | Regie: C. T. Dreyer
93 Min.
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Gerds Meinung:
Am 18. Juni 2014 lief der erste der beiden Juni-Termine der „Literatunten“. Wir sahen den Film „Michael“ nach Herman Bangs gleichnamigen Roman. Der Stummfilm wurde 1924 von Carl Theodor Dreyer mit Walter Slezak als Eugène Michael, Benjamin Christensen als Claude Zoret und Nora Gregor als Fürstin Zanikow gedreht.
Allein durch die deutliche Mimik und Gestik der Stummfilme wurde im Film eher als im Buch sichtbar, dass Zoret (der Meister) und Michael mehr verbindet als nur eine Lehrer-Schüler-Beziehung. Insgesamt jedoch müssen wir wohl auch hier akzeptieren, dass wir heute bestimmte Codes und Zeichen nicht mehr lesen können und uns so der Zugang zur eigentlichen Bedeutung der oberflächlich betrachtet nicht homosexuellen Geschichte verborgen bleibt. – Wenn es sie denn gibt.
Überhaupt ist unsere Film-Sehgewohnheit mittlerweile doch eine sehr andere als zu Zeiten des Stummfilms. Da kann so ein „dramatischer“ Stummfilm sehr anstrengend sein und schnell ermüden. Noch einmal würde ich mir den Film wohl nicht ansehen.



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