Christopher Isherwood „Der Einzelgänger“

Am Seitenende kannst Du Deine Meinung zum Buch äußern!
Buch des Monats Januar 2013
 
Cristopher Isherwood “Der Einzelgänger”Suhrkamp 2009 | Taschenbuch
181 Seiten | 7,50 €
versandkostenfrei bestellen: buecher.de
Verfügbarkeit recherchieren: Berliner Bibibliotheken


Klappentext
George, 58 Jahre alt, Literaturprofessor, beginnt seinen Tag in Gedanken an seinen verstorbenen Freund, ein Tag voller Routine, bis ihn eine zufällige nächtliche Begegnung mit einem seiner Studenten aus dem Takt bringt. Nach zu vielen Drinks ist George, der Einzelgänger, bereit für eine neue Liebe.
Mit „Leb wohl, Berlin“, dem Roman über das Berlin der 20er Jahre, Vorlage für das Musical „Cabaret“, ist er berühmt geworden, der aus England stammende Weltenbummler Christopher Isherwood, der bis 1939 in Berlin lebte, um dann in die USA zu emigrieren. In Los Angeles fand er den Schauplatz für seinen 1964 publizierten Roman „Der Einzelgänger“.


Kritikermeinung
Elmar Schenkel (F.A.Z.)
Isherwood kostet die Fremdheit seines „Helden“ aus, hat Vergnügen im Spiel, die Abstände zur Bürgerlichkeit, zur Heterosexualität auszumessen. „… dieser Roman stammt zweifellos aus dem Kontinent des Zweifels.“


Gerds Meinung
Ich war regelrecht überwältigt von der literarischen Wucht, die mich schon beim Lesen der ersten Zeilen dieses Romans übermannte. Was wäre ich froh, wenn ich so schreiben könnte, wie Isherwood…
Isherwood beschreibt 24 Stunden im Leben Georges, eines Highschool-Professors, der in der ach so toleranten Umgebung eines alternativen Wohnviertels von Los Angeles wohnt, und vor kurzem seinen Lebenspartner verloren hat. Ohne in ein wehleidiges Lamento zu verfallen, erzeugt er eine Atmosphäre der Trauer, der Verlorenheit, der Einsamkeit. Nichts und niemand kann George wirklich berühren. Nur einen Hoffnungsschimmer gibt es, die Begegnung mit einem Studenten, der sich wirklich für den Professor zu interessieren scheint, der es vielleicht vermag, ihm nahe zu kommen. Aber so, wie George zu Beginn des Romans erst langsam aus dem dinghaften Sein während des Schlafes zu sich, zu seinem Selbst findet, erlischt dieses Selbst in dem Augenblick, in dem eine neue Zukunft möglich scheint.
Große Literatur, unbedingt lesenswert!


Literatunten-Meinung
Isherwoods „Einzelgänger“ ist ein Buch, das man wieder und wieder lesen kann. Im Abstand von einigen Jahren gelesen ergibt sich dabei häufig eine völlig neue Sicht. Jüngere Leser berichteten von anderen Sichtweisen auf das Buch als ältere. Leser um die 55 identifizieren sich eher mit dem Protagonisten als jüngere.
Die Geschichte beschreibt einen Kreis: Vom Erwachen und dem „Hineinschlüpfen“ des Geistes in Georges Körper verfolgt Isherwood den Literaturprofessor über 24 Stunden bis zu dem Moment, wo Georges Bewusstsein seinen Körper wieder verlässt. Ob George am Ende wirklich stirbt, oder ob es eine nur hypothetische, gedachte Möglichkeit bleibt, lässt Isherwood offen – und auch die Literatunten sind sich da nicht einig.
Auffällig ist, dass Isherwood bzw. sein Protagonist alles, was passiert, mit einem spezifisch „schwulen Blick“ betrachtet: das Zusammenleben mit seinen Nachbarn, das Verhältnis zu seiner Freundin, das Tennisspiel zweier Studenten, seinen Unterricht im College… Und das in einem Roman, der Jahre vor Stonewall veröffentlicht wurde!
Der Roman geht unter die Haut. Er macht die unendliche Trauer Georges um seinen verunglückten Lebensgefährten greifbar. Man versteht, warum er sich einerseits von der Welt verlassen fühlt und sich andererseits von ihr distanziert. George kann sich für seine Trauer nicht in die Geborgenheit einer Gemeinschaft zurückziehen, die heterosexuellen Menschen zur Verfügung steht. Er ist allein. Sein Mann ist tot. Seine Umwelt kann und will seine Trauer nicht akzeptieren, weil sie seine Liebe nicht akzeptiert. Er ist „A Single Man“! (Die Übersetzung des englischen Titels in „Der Einzelgänger“ ist wohl nicht sehr geglückt.)
Die Literatunten meinen: unbedingt (mal wieder) lesen!


Von „Der Einzelgänger“ gibt es eine sehr gute Verfilmung:
 
USA 2009 | Regie: T. Ford
BlueRay | 99 Minuten | FSK 12 | 13,99 €
versandkostenfrei bestellen: buecher.de
Verfügbarkeit recherchieren: Berliner Bibibliotheken

 
 
 



Trifft dieser Artikel Dein Interesse?
Dann interessieren sich sicher auch Deine Freunde dafür. Berichte in Deinem Netzwerk davon!

(Die LITERATUNTEN schützen Deine Privatsphäre: Die Seite stellt den Kontakt zu Deinem Netzwerk erst her, wenn Du auf den Netzwerk-Button klickst.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*