Christopher Coe „Göttlich“


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Buch des Monats April 2014
 
Gmünder 2013 | gebundenes Buch
140 Seiten | 17,95 €
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Dieses Buch gibt es für 14,99 € auch als eBook.
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Klappentext:
„Göttlich! Es ist ein großes Glück, so schön zu sein wie ich“, sagte Nicholas. „Ich finde, mein Körper sollte angebetet werden.“ Nicholas ist eitel. Nicholas ist jung. Nicholas ist reich und reist rund um die Welt, um an den schönsten Orten die schönsten Männer zu treffen. Fünfzehn Jahre später ist er tot, und sein Bruder versucht in einer Nacht zu ergründen, wie es dazu kam.

Kritikermeinungen:
The New York Times Book Review:
„Lakonisch, feinsinnig und voller Poesie … Coe ist ein scharfsichtiger Beobachter.“
The Village Voice:
„… eine faszinierende Geschichte zweier Brüder.“
Amy Hempel (Vogue):
„Bemerkenswert souverän und verführerisch.“

Literatunten-Meinung:
In der Diskussionsrunde am 30. April 2014 besprachen die Literatunten Christopher Coes Buch „Göttlich“. Die schriftstellerische Qualität des Werks wurde allgemein gelobt, die Bedeutung des Textes jedoch sehr unterschiedlich gesehen.
Was wird uns hier zugemutet? Nicholas, der Held des Buches war zu Lebzeiten offenbar allseits beliebt, ja begehrt. Jetzt, da er tot ist, da sein Bruder über ihn nachdenkt, erscheint er plötzlich in einem ganz anderen Licht. Was auch immer der Erzähler über ihn berichtet, er kommt nicht gut dabei weg. Die meisten Anwesenden konnten nicht nachvollziehen, warum der „göttliche“ Nicholas so eine Wirkung auf seine Umwelt hatte. Wie ein Vampir geht er auf Jagd. Nur dass er nicht auf das Blut seiner Opfer aus ist, sondern auf deren Aufmerksamkeit. Sobald Nicholas die Aufmerksamkeit eines Opfers sicher hat, ist es für ihn uninteressant geworden. Diese Lebensweise gipfelt schließlich im Ende des Protagonisten: In dem Augenblick, in dem er nicht mehr in der Lage ist, die Aufmerksamkeit aller Anwesenden an sich zu binden, verliert das Leben für ihn seinen Wert. Dieser Mann hat sich ausschließlich über die Beachtung definiert, die andere ihm geben. Kann er keine Aufmerksamkeit mehr bekommen, ist er am Ende.
Die Geschichte ist gut geschrieben. Sie hat eine dramatische Spannung bis zum Schluss. Aber Vorsicht: sie verstört.

Gerds Meinung:
Es ist ein ungewöhnlicher Text, den Coe uns hier vorsetzt. Ungewöhnlich wegen der Perspektive, aus der die Geschichte des Nicholas erzählt wird. Und ungewöhnlich wegen der eitlen Selbstsicht des Nicholas, die geschildert wird. Das sitzt ein Mann in der Wohnung seines verstorbenen Bruders – eben jenes Nicholas – und denkt über die gemeinsame Geschichte nach. Was er sich ins Gedächtnis ruft, macht uns seinen Bruder nicht sympathisch. Nicholas war nicht nur eitel. Er hat stets dafür gesorgt, dass alle Konkurrenten in einem schlechten Licht dastanden. Und für ihn war jeder ein Konkurrent. Mit unglaublicher Impertinenz schiebt er sich immer wieder in den Vordergrund. Er wirkt geistreich, dabei sind seine Äußerungen hohle Phrasen. Sein Bruder, der Ich-Erzähler des Textes bleibt im Hintergrund, wird nur durch die Reflexion über Nicholas sichtbar. Selbst jetzt, da ja er es íst, der über Nicholas reflektiert.
Alles in allem ein erstaunlicher Text also. Zumal er selbst genau die gleiche Wirkung hat, wie sie Nicholas offensichtlich auf die (schwule) Männerwelt hatte: Er ist anziehend; man will ihn lesen, kann ihn nicht aus der Hand legen. Und das, obwohl er einen schalen Geschmack hinterlässt. Hinterher hatte ich das Gefühl, benutzt worden zu sein. Faszinierend und abschreckend zugleich.


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