Christoph Poschenrieder „Das Sandkorn“

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Buch des Monats Oktober 2014
Diogenes 2014 | Leinen
416 Seiten | 22,90 €
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Klappentext
Ein Mann streut Sand aus Süditalien auf den Straßen von Berlin aus. In Zeiten des Kriegs ist solch ein Verhalten nicht nur seltsam, sondern verdächtig. Der Kommissar, der den kuriosen Fall übernimmt, stößt unter dem Sand auf eine Geschichte von Liebe und Tabu zwischen zwei Männern und einer Frau. Ein Zeitbild von 1914, aus drei ungewöhnlichen Perspektiven.
(Anmerkung: Im Klappentext mal wieder kunstvoll verwischt wird der schwule Bezug.
Der Protagonist des Romans, Jacob Tolmeyn, befürchtet wegen seiner Homosexualität Repressionen und geht darum nach Italien. Aber auch dort steht er bald vor dem selben Problem…)
(Empfehlung: „Eisenherz“ 4/14, 9/14 & 11/14 | „Löwenherz“ 5/14, 9/14 & 10/14 | „Siegessäule“ 6/14)


Literatunten-Meinung
„Das Sandkorn“ war „Buch des Monats Oktober 2014“ und wurde am 29. Oktober 2014 beim Literatunten-Treffen besprochen.
Alle Anwesenden waren beeindruckt von der literarischen und handwerklichen Qualität des Textes. Die Diskussion drehte sich vor allem um die Handlungsmotive des Kunsthistorikers und Helden dieser Geschichte, Jacob Tolmeyn, hinterfragte die Rolle des Tolmeyn vernehmenden Komissars Franz von Treptow und das Verhalten des möglicherweise bisexuellen Assistenten Tolmeyns, Beat Imboden.
Das Fazit: gut recherchiert, historische Persönlichkeiten (das meint auch und gerade Tolmeyn und Treptow), ihre Erlebnisse und überlieferten Meinungen wunderbar in die erfundene Romanhandlung integriert, lebendig. Gut zu lesen und genau dazu auch empfohlen.


Gerds Meinung
Es ist 2014, der erste Weltkrieg steht vor der Tür. Tolmeyn, die Hauptperson des Romans, ist sich völlig im Klaren darüber, mit Frauen nichts anfangen zu können, Männer zu begehren – in heutiger Begrifflichkeit: schwul zu sein. Der § 175 und die daraus entstandene, weit verbreitete Erpressung homosexueller Männer vertreiben ihn aus Berlin. Eine Anstellung in Rom ist die Lösung – auch angesichts der fehlenden Strafandrohung in Italien. Auf einer Forschungsreise nach Süditalien verliebt er sich in seinen Assistenten Imboden, der seinerseits die vom italienischen Staat beigegebene Begleiterin di Belgioioso liebt, die wiederum in Tolmeyn verliebt ist. Eine Situation, aus der viel entstehen könnte, die die Drei aber nicht zu ihrem Vorteil nutzen können.
Die Kriegsereignisse beenden jede Möglichkeit. Tolmeyn kehrt nach Berlin zurück. Einem in Italien kennengelernten Hexenritual folgend, verteilt er rings um seine Wohnung Sandproben, die er auf seiner Forschungsreise in Italien gesammelt hat. Will er damit – dem Hexenglauben folgend – seine Homosexualität ein- und die Strafverfolgung ausschließen? Dummerweise gerät er genau durch dieses Ritual in die Fänge der Justiz…
Poschenrieder schreibt in ausgesucht gutem Deutsch, ist stilvollendet, literarisch. Er verrät an genau den richtigen Stellen immer genau die richtigen Details, hält so den Spannungsbogen. Er lenkt vom Handlungsstrang immer wieder genau so weit ab, dass man ihn nicht aus den Augen verliert. So gewinnt er Zeit, den Figuren Leben einzuhauchen. Diese wirken authentisch, sympathisch. Sie haben Tiefe und eine Geschichte, die über das Romangeschehen hinausreicht.
„Das Sandkorn“ ist ein guter, lesenwerter Roman, den ich ausdrücklich zur Lektüre empfehlen möchte.
Mir persönlich ist der Roman zu perfekt. Er hat kaum Widersprüche, beantwortet zu viel, lotet alles aus, hinterlässt kaum Fragen. Ja, ich habe das Buch gern gelesen. Wirklich gefesselt hat es mich nicht.



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